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LinkedIn – wofür?

LinkedIn - Business Netzwerk

Die Auszehrung des deutschen Karriere-Netzwerk XING mangels aktiver Nutzer hat sich herumgesprochen. Mancher prognostiziert ihm wegen „digitaler Altersschwäche“ schon den kompletten Abgang. Ganz anders LinkedIn: Es schreibt seine Erfolgsgeschichte fort. 16 Mio. angemeldete Mitglieder gibt es allein in Deutschland. Zum Vergleich: Instagram hat 21 Mio., Facebook 32 Mio.

Wie kann man LinkedIn als Unternehmen einsetzen?

Es gibt mehrere Ziele bzw. Zielgruppen, die den Einsatz von LinkedIn sinnvoll erscheinen lassen:

1. Business Community als anspruchsvolle B2C Zielgruppe

Für viele Unternehmen sind B2B Zielgruppen auch B2C Zielgruppen. Finanzdienstleister sind ein Beispiel. Wer Geschäftskunde einer Bank ist, der lässt dort womöglich auch sein privates Vermögen verwalten oder finanziert seine Eigentumswohnung.

LinkedIn ist längst auch als B2C Werbekanal bei vielen Branchen angekommen, etwa aus dem Konsumgüterbereich. Ein Beispiel von vielen: Ich bekam z.B. gerade ein sehr distinguiert formuliertes Angebot eines Maßschneiders für Herrenhemden. LinkedIn User sind schon längst nicht nur potentielle Business-Kontakte. Die meisten LinkedIn Nutzer tragen Verantwortung im Job, sind oft in leitender Position, sind mobil und gut gebildet. Daher liegt die Vermutung nah, dass ein großer Teil von ihnen zahlungskräftiger ist als der Durchschnitt der User in anderen Netzwerken. Einen anspruchsvolleren Lifestyle pflegt und über ein gut gefülltes Konto verfügt. Das macht die LinkedIn Nutzer spannend für viele Branchen und Produkte.

LinkedIn – das neue Social Media Deluxe?

2. (Neue) Mitarbeiter / Employer Branding.

Das Ziel lautet Steigerung der Attraktivität als Arbeitgebermarke. Aber auch aktuelle Jobangebote können bei LinkedIn beworben werden. Hier steht LinkedIn in Konkurrenz zu anderen Plattformen wie Stepstone, Indeed &Co., aber auch zu Sozialen Netzwerken, etwa Facebook. LinkedIn kann man jenseits von bezahlten Suchanzeigen sehr gut nutzen, um geeignete Bewerber selbst zu recherchieren und gezielt anzusprechen. Die Erfahrung zeigt leider, dass viele der angesprochenen Kandidaten nicht mehr reagieren. Meist, weil sie von vielen Angeboten überschwemmt werden. Besser daher: Namen geeigneter Kandidaten über die Suchfunktion recherchieren und andere Wege der Ansprache suchen. So machen es z.B. viele Personalberater.

3. Neue Kunden / Vertrieb.

Mit gezielten Recherchen lassen sich die richtigen Ansprechpartner finden, mit denen man sich vernetzen kann. Geschäftsführer, Zentraleinkäufer, andere Verantwortliche im Unternehmen. Aber Vorsicht: Entscheider reagieren oft auf Kaltaquise-Versuche über LinkedIn nicht mehr. Es sind einfach zu viele, die damit ihr Glück versuchen. Besser daher: Potentiellen Ansprechpartner auf LinkedIn recherchieren, Adressen und Kontaktdaten nachrecherchieren, eigenes Vertriebs-CRM aufbauen und die identifizierten Ansprechpartner später über andere Kanäle ansprechen. Das ist nach unserer Erfahrung deutlich erfolgversprechender. Aber Vorsicht, hier setzt die DSGVO Grenzen.

Aber nicht nur für die gezielte Recherche von Leads eignet sich LinkedIn. Die regelmäßige Bespielung des eigenen Profils zwecks Social Selling schafft Bekanntheit, Sympathie und Vertrautheit und erleichtert die spätere direkte Kontaktaufnahme zum Ansprechpartner ungemein. Hier heißt das Rezept: Langer Atem, Stetigkeit, Beharrlichkeit. Das andere Problem: Wie kommt man an relevanten und attraktiven Content in ausreichendem Umfang für regelmäßige Posts ohne Peinlichkeitsfaktor? Auch braucht man die passende Strategie im Vorwege: Was erzähle ich meinen (potentiellen) Kunden? Fachbeiträge? Privates? Teilen von fremdem Content mit Bezug?

Persönliches Profil vs. Unternehmensseite

Wie auf anderen Plattformen gibt es auf LinkedIn das persönliche Profil und die Unternehmensseite. Gerade Einzelunternehmer oder Chefs von inhabergeführten Unternehmen sollten für’s Social Selling das persönliche Profil nutzen. Vertrauen baut man am besten über die eigene Person auf. Unternehmensseiten sind eine gute Ergänzung. LinkedIn bietet viele Möglichkeiten, sich, seine Mitarbeiter und sein Unternehmen bestehenden und neuen Kunden gegenüber zu positionieren.

Beim Ziel Employer Branding oder Unternehmenskommunikation ist die Unternehmensseite natürlich die erste Wahl. Man findet auf LinkedIn viele Konzernlenker, die ein persönliches Profil pflegen (lassen) und sich dort z.B. zu ihren unternehmerischen Themen äußern.

Wie auf anderen Plattformen auch, sind Personen- und Unternehmensseiten grundsätzlich gratis. Wer aber auf eine nennenswerte Anzahl an Kontakten kommen möchte (ohne werden sich Reichweite und Engagement in engen Grenzen halten), kommt um das kostenpflichtige Sponsoring seiner Updates nicht herum. Wer Kosten-Größenordnungen von Facebook und/oder Instagram als Maßstab nimmt, muss sich schnell umgewöhnen: LinkedIn lässt sich seine Spezialisierung auf eine interessante B2B Zielgruppe deutlich mehr kosten.

Personal Branding auf LinkedIn

Die Zeiten, in denen LinkedIn vor allem ein globales Führungskräfte-Network war und viele Fachbeiträge mit Mehrwert gepostet wurden, sind passé. Es wird viel Politisches und Gesellschaftspolitisches gepostet. Zunehmend fluten auch Fotos aus dem Urlaub den Feed. Personal Branding, also Selbstinszenierung, um aus der Masse herauszustechen, ist auch auf LinkedIn angekommen. Instagram lässt grüßen.

Fazit

LinkedIn hat sich vom internationalen Führungskräfte-Netzwerk zu einer Vertriebs- und Marketing-Community mit viel Potential und einer spannenden Zielgruppe gemausert. Je nach Standort kann man das bedauern oder begrüßen. LinkedIn hat das Social Media Marketing auch im B2C Bereich um eine spannende Alternative bereichert.

Die Frage lautet daher nicht: Sollten wir dabei sein? Sondern: Warum sind wir nicht schon längst auf LinkedIn aktiv?