StartseiteAktuellesFollower, Highlights, Interaktionen? Die endgültige (Anti-)Wahrheit über das Social Media Alphabet!
Follower, Highlights, Interaktionen?

Die endgültige (Anti-)Wahrheit über das Social Media Alphabet!

Jede Branche hat ja bekanntlich ihre eigene Terminologie. Als Selbstrechtfertigung und um sich von anderen Branchen abzuheben, die natürlich als weit weniger wichtig empfunden werden. Im letzten Blogbeitrag haben wir uns ganz ernsthaft und seriös (wie sich das auch gehört als Agentur!) mit der Terminologie unserer Branche Social Media beschäftigt.

Aber ist das schon die ganze Wahrheit? Nein, ist es nicht! Unser Social Media Zynikus ist der Wirklichkeit mal auf den Grund gegangen. Nachfolgend die ultimativen Hintergründe und Erklärungen über viele verwirrende Begrifflichkeiten unserer Branche! (aber bitte nicht allzu ernst nehmen 😉).

A

Ads: Finanzieller Zwangsbeitrag reichweitengedrosselter Unternehmensseiten auf Facebook und Instagram zur Vermehrung des Facebook Börsenwertes. Zusätzlicher Vorteil: Mit Ads kannst du deinen “Fans” und “Followern” jeden mehrwert-freien Reklame-Content ausspielen lassen.

B

Bio: Kurzform “Bio(graphy)”: Hier kannst du auf der eigenen Instagram-Seite phantasieren, wer du gerne sein möchtest und warum dich alle cool finden sollen. Ohne dass es mit der Wirklichkeit etwas zu tun haben muss. Keine Sorge: machen fast alle 😂

C

Caption / Copy: Beitragstext, der den schönen Schein auf deinem Foto oder Video in ein noch vorteilhafteres Bild rückt.

Community: Illusion einer deiner Marke treu ergebenen Gemeinschaft, die alle deinen Postings andächtig folgt und alles toll findet, was du ihnen erzählst.

D

DM: Direkte Nachricht an einen anderen Nutzer sowie an die Mitlesenden bei Facebook und bei der amüsierten Hacker-Community 😂.

E

Engagement Rate: Formel für Zahlengläubige, die, so der Euphemismus “Engagement”, die begeisterte Zustimmung von “Followern” auf Werbebotschaften in einer abstrakten Zahl darstellen soll. Wobei die Engagement Rate auch negative Kommentare oder versehentliche Berührungen eines Beitrags auf dem Touchscreen als “Engagement” (Deutsch: Einsatz aus Verbundenheit) misst. 🤔

F

Follower: Nutzer, der, in der Regel durch Anzeigen und die vergebliche Aussicht auf spannende Infos angelockt, versehentlich oder sogar willentlich auf den Like-Button geklickt hat. Weit verbreitet ist auch in 2022 noch der naive Glaube, eine möglichst große Anzahl von Followern sei Maßstab für erfolgreiches Social Media Marketing. 😂

Feed: Ungeordnete und wirr-bunte Sammlung meist nur mäßiger Foto- und Videobeiträge auf einer Instagram-Seite. Mit jedem weiteren Post wird das visuelle Leiden der Nutzer entsprechend verlängert.

G

Guidelines: Nett gemeinter, aber meist vergeblicher Versuch, durch vorgegebene Regeln Nutzer an Pöbelei, Hetze und Hassrede zu hindern. Daher müssen bedauernswürdige Individuen (s.a. “Social Media Manager”) auch spätabends und am Wochenende dafür Sorge tragen, dass Regelverstöße auf Unternehmensseiten erkannt und im Zweifelsfall gelöscht werden.

Guidelines in Unternehmen: Ebenso vergeblicher Versuch, Mitarbeitende am Austausch von Bashings, den neuesten Beziehungen von Promis oder dem Witzeln über peinlich gekleidete Kolleg*innen während der Arbeitszeit zu hindern.

H

Highlight: Begriff mit besonders fragwürdigem Wahrheitsgehalt. Nutzer zeigen sich im Regelfall erleichtert, wenn nervige Stories nach 24 Stunden aus dem Feed verschwunden sind. Ätsch, falsch gehofft: Die “Highlights” sind eine Art Recycling für verblichene Stories über die 24h-Frist hinaus. So können sich, auch wenn das MHD für die Aktualität der Botschaft schon um viele Monate überschritten ist, “Follower” noch an vielen ranzigen “Geschichten” (=Stories) erfreuen.

I

Impressionen: (Deutsch für “Eindrücke”): Zahl, die werbungtreibenden Unternehmen eindrucksvoll zeigen soll, dass ihre Postings unglaublich oft angesehen wurden und sich ihre Werbebotschaft daher prima verbreitet hat. Da der moderne User angeblich in der Lage ist, beim Scrollen durch seinen Feed in 3 Sekunden durchschnittlich 122 Postings wahrgenommen und intellektuell voll verinnerlicht zu haben, sind “Impressions” ein aussagekräftiger “KPI”, d.h. Key Performance (sic!) Indicator.

Interaktion: (Soziologisch für “Wechselbeziehung zwischen Austauschpartnern”): Wert, der angibt, wie gern User mit dir über deine Werbung reden möchten. Die einfachste Form, das Like, drückt bereits spontane Begeisterung und tief empfundene Sympathie eines Nutzers für deinen Beitrag aus. Die Steigerung ist das Teilen. Hier wird der Nutzer zum Botschafter, er will deiner Werbung durch Teilen mehr Geltung in der Welt verschaffen. Die höchste Form der Interaktion ist der Kommentar: Hier finden wertvolle Gespräche statt, die dir etwas über die tiefe Zuneigung deiner Nutzer verraten.

R

Reel: Bewegtbild-Leasingprodukt von TikTok, das Instagram für sein Portfolio legal erwerben konnte 😉. Reels haben seither nur mäßig erfolgreich zu verhindern vermocht, dass noch mehr Kids zum Original abwandern.
Werbungtreibende auf Instagram wurden in der Anfangszeit durch hohe – ausnahmsweise unbezahlte – Reichweiten und Views auf das neue Format gelockt. Nachdem alle begeistert auf das erfolgversprechende Format eingestiegen waren, wurden bezahlte Anzeigen eingeführt und die unbezahlte Ausspielung stark reduziert (siehe auch unter “Ads”). Tja, zu früh gefreut, Leute!

S

Save: Besonders wichtiger “Performance Indicator”. Nutzer sollen deine Werbebotschaften für so wichtig und relevant halten, dass sie diese sogar bei sich speichern. Die hohe Rate an Speicherungen (durchschnittlich 1 auf 1500 Posts) demonstriert eindrucksvoll die hohe Akzeptanz und Relevanz des neuesten Interaktions-KPI. Andererseits zeigt dieser Wert auch, wie sehr deine Follower deinen tollen Content zu schätzen wissen!

Share: Siehe auch unter “Interaktion”

Sticker: Infantile Symbole wie Herzchen, Sprüche-Banner oder niedliche Figuren, mit denen Botschaften in Instagram-Stories zusätzlich verunstaltet werden können. Ziel ist es, bei meist jüngeren Userinnen und Usern die Akzeptanzschwelle für Werbebotschaften durch spontane “Oh-wie-lustig”- Ausrufe abzusenken. User können auf Stickern aber auch kritische Fragen stellen, z.B. warum dein Produkt so toll und begehrenswert ist.

Social Media Manager*in: (=SMM, das “SM” bitte nicht doppeldeutig verstehen). Individuum, das seinen Lebensunterhalt mit dem Verbreiten von Werbebotschaften und der Verarbeitung vielfältiger, auch negativer Reaktionen darauf verdient. Zum Dank für aufopfernde Tätigkeiten, auch spätabends und am Wochenende, muss die/der SMM sich mit dem Unverständnis mancher Kunden herumschlagen, den Frust genervter Fans erdulden und sich über die beständig von Facebook herunter geschraubte Leistung von Ads ärgern.

T

Taggen: Fiese Art jemanden durch öffentliches Verlinken auf einen Post, mit dessen Inhalt sie/er mutmaßlich nicht in Zusammenhang gebracht werden möchte, eine Benachrichtigung zu schicken.

Z

wie Zusammenfassung:

Vielleicht fandet ihr es die Beiträge unseres Social Media Zynikus auch so lustig wie wir als wir die “Wahrheiten” über viele Social Media Unwörter gelesen haben! Schickt uns gern eure Ergänzungen zu, die besten werden von uns auf Facebook gepostet!